Tropen-/ Reisemedizin III Atemwegs-/ Hauterkrankungen

Atemwegs-erkrankungen Erreger Vorkommen Klinik Inkubationszeit Diagnostik
Coccidioidomykose
Coccidioides immitis

USA (Death Valley, Trockengebiete), Lateinamerika

Fieber, Schüttelfrost und Husten, Pneumonie, häufiger asymptomatisch

1 – 4 Wochen

Mikroskopischer Erregernachweis, Antikörpernachweis
Histoplasmose
Histoplasmose capsulatum

USA, Lateinamerika, Karibik, Afrika, Vorderasien, Indonesien,
Australien

Husten, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl und Brustschmerzen, oft inapparent

7 – 21 Tage

Mikroskopischer Erregernachweis, Antikörpernachweis ab 2. bis 3. Woche
Legionella
Legionella pneumophila

Weltweit
Infektionsquelle meist lauwarmes
Leitungs- oder Brauchwasser in
stehenden Reservoiren (Einatmen
von Aerosolen z. B. beim Du-
schen, über Klimaanlagen oder in
Whirlpools)


Kopf-, Gliederschmerzen, Kurzatmigkeit, Reizhusten, Bronchopneumonie, Fieber, auch Übelkeit und Diarrhoe möglich
Risikogruppen: Immunsupprimierte, ältere Patienten


2 – 10 Tage


Antigennachweis aus dem Urin
PCR aus Sputum, Lavage, Urin

Tuberkulose
Mycobacterium tuberculosis

Weltweit, v. a. Nachfolgestaaten
der Sowjetunion, Südostasien,
Afrika Subsahara), Lateinamerika


Anfänglich Nachtschweiß, Müdigkeit, Schwäche, Fieber, evtl. Husten, Thoraxschmerzen, Atemnot, Gewichtsabnahme


Wochen bis Monate
Reaktivierung latenter Infektionen unter Immunsuppression

Nachweis von säurefesten Stäbchen, TBC-Kultur, PCR aus tiefexpektoriertem Sputum, Magennüchternsekret
Akute virale respira-torische Erkrankungen
Coronaviren (SARS, MERS),
Vogelgrippe (H5N1, H9N2, H7N9, H10/N8 ...)


variabel (aktuelle epidemiologidsche Situation beachten!)
Infektionsquelle/ Erregerreservoir oft nicht bekannt, Geflügelmärkte bei Vogelgrippe



Influenza-like-Illness, schwere Verlaufsformen mit Lungenentzündung und ARDS



wenige Tage


Sputum, Aspirat, Lavage (Verdacht auf Anforderung vermerken - Sonderbehandlung)
Hauterkrankungen
Erreger
Vorkommen
Vektor / Übertragung
Klinik Inkubationszeit Diagnostik
Hautdiphtherie
Corynebacterium diphtheriae (meist
nicht Exotoxin bildend)

Weltweit
Hautinfektionen v. a. in warmen
Ländern (Afrika)

Schmierinfektion

Impetigoähnliche Hautläsionen und Geschwüre, Bindehautdiphtherie mit blutig-wässriger Sekretion, häufig Hornhautbeteiligung

2-6 Tage

Bakteriologischer Wundabstrich
Hautleishmaniose
Leishmania spp.

Asien, vorderer Orient, Mittel-
meerraum, Ost-Westafrika,
Lateinamerika
Schmetterlingsmücken (Euro-
pa/Asien Phlebotmus; Amerika
Lutzomyia)


L. der alten Welt: ulcerierende und nekrotisierende Hauterkrankungen (beginnend an der Einstichstelle), nach Monaten narbige Abheilung: Orientbeule

L. der neuen Welt: verschiedenste Hautläsionen (L. mexicana komplex: kutane Form); Schleimhautbefall möglich (L. brasiliensis: mukokutane Form)

1 Woche bis 3 Monate

Erregernachweis in Biopsie vom Ulcusrand (Objektträgerabklatsch von Reizserum nach Skarifikation)

(Antikörpernachweis)
Lepra
Mycobacterium leprae

Indien, Brasilien, Indonesien,
Myanmar, Zentralafrika

Tröpfcheninfektion mit geringer
Kontagiosität, enger Kontakt zu Erkrankten notwendig


Tuberkuloide Lepra: asymmetrische Hautflecken und knotige Verdickungen peripherer Nerven. Später sensorische und motorische Ausfälle mit Verstümmelungen und Lähmungen.Lepromatöse Lepra:  schwerste generalisierte Form bei fehlender T-Zell-Antwort durch ungehemmte Vermehrung der Bakterien.  Hellrote bis braune Knoten und Flecken (Leprome), „Löwengesicht“ (Facies leonina), fortschreitender Befall von Haut, Schleimhäuten, Nerven und  innerer Organe mit geschwürigem Zerfall.

Übergangsformen zwischen Tuberkuloider und Lepromatöser Form (Borderline-Lepra).

Wenige Monate bis Jahrzehnte

Mikroskopie
(Nachweis säurefester Stäbchen) und PCR aus Biopsiematerial
Loiasis
(Kammerunbeule oder
Calabar-Schwellung)

Loa Loa

West- und Zentralafrika (Kongo-
becken)
Bremsen der Arten Chrysops
dimitiata und Chrysops silacea

Allergisch verursachte Hautschwellung mit starkem Juckreiz (Durchmesser bis von 10 cm). Abklingen nach einigen Tagen und Wiederauftreten an anderer Stelle durch Wanderung des Wurmes unter der Haut. Gelegentlich wird der Wurm unter der Bindehaut sichtbar, wenn er über den Augapfel wandert. Eosinophilie.

> 3 Monate bis Jahre

ab 5. Monat Mikrofilariennachweis  im Blutausstrich/ Dicken Tropfen
(Blutentnahme mittags zw. 11 und 13 Uhr)

Antikörpernachweis
Lymphatische Filariose
Wucheria bancrofti, Brugia malayi,
Brugia timori

Br. timori: Kleine Sundainseln
(Indonesien),
Br. malayi: Süd- und Südostasien
W. bancrofti: Tropische Gebiete
Asiens, Afrikas, des Pazifik,
Zentral- und Südamerika
Stechmücken (Aedes, Anophe-
les, Culex, Mansonia)


Frühzeichen: akute fieberhafte deszendierende Lymphangitis der Extremitäten. Gelegentlich passageres Lungeninfiltrat mit Fieber und Husten, Orchitis und Epididymitis. Komplikation: Chylurie mit hochgradigen Eiweißverlusten.Chronische Phase: chronisch rezidivierende Lymph- angitis mit narbiger Abflussstörung und  Elephantiasis der betroffenen Gebiete.

Tropisches pulmonales Eosinophiliesyndrom:  chronisch interstitielle Lungenerkrankung mit rezidivierenden Fieberschüben, nächtlichen Asthmaanfällen und ausgeprägter Eosinophilie. Die Lebensdauer der adulten Würmer beträgt bis zu 10 Jahre.


W. bancrofti ca. 15 Monate

Br. malayi ca. 1 Monat

Br. timori ca. 1-1½ Jahre


Nachweis der Mikrofilarien im EDTA-Blut (QBC-Methode) oder im Blutausstrich/ Dicken Tropfen
(Blutentnahme zwischen 21und 2 Uhr, da  Mikrofilarien praktisch  nur nachts im Blut nachweisbar sind)

Antikörpernachweis
Onchocerkose
(Flussblindheit)

Onchocerca volvulus

Tropisches Afrika, Jemen,
Saudi-Arabien, Südamerika
Kriebelmücken der Gattung
Simulium

Subkutane Knoten (Onchocerkome), Dermatitiden, Augenläsionen, Erblindung

Monate bis Jahre

Nachweis der Mikro-filarien ab 1. Jahr später auch der Würmer aus Hautbiopsien, Augenuntersuchung
Antikörpernachweis