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Vollblut, Serum oder Plasma …
… EDTA, Citrat oder Heparin?
Bei der Fülle der Laborparameter ist die Information im Leistungsverzeichnis über das abzunehmende Material manchmal verwirrend und die Entscheidung im Einzelfall schwierig. Auch die Auskünfte des Labors sind nicht immer gleich nachvollziehbar und erscheinen manchmal auf den ersten Blick unlogisch.
Bei einem Parameter heißt es: „Wir benötigen unbedingt EDTA-Blut“ bei einem anderen: „Das ist völlig egal“. Warum benötigt das Labor für die Faktor V-Bestimmung einmal Citratplasma und beim nächsten Mal wieder EDTA-Blut? Was mache ich bei einer schwierigen Blutentnahme, wenn nur wenig Material gewonnen werden kann?
Der folgende kleine Leitfaden soll Ihnen helfen, selbständig die richtige Entscheidung zu treffen.
Was unterscheidet Vollblut von Serum oder Plasma
Blut („Vollblut“) besteht aus zellulären Bestandteilen (rote und weiße Blutkörperchen und Thrombozyten), die in einer eiweißreichen Flüssigkeit, dem Plasma, schwimmen.
Die Blutentnahme stellt eine Verletzung dar, deshalb wird noch während der Entnahmeprozedur die Gerinnung aktiviert. Innerhalb der nächsten 20-45 min kann man dann die Bildung eines Gerinnsels beobachten. Während dieses Vorgangs wird Plasma in Serum umgewandelt, d. h. das im Plasma enthaltene Fibrinogen fällt als unlösliches Fibringerinnsel aus; zudem werden alle anderen Gerinnungsfaktoren verbraucht.
Gewinnung von Vollblut, Serum und Plasma

Venöse Blutentnahme
Ohne Antikoagulanz
20 - 45 min stehend lagern
(„gerinnen lassen“)
10 min bei 2000 g zentrifugieren
20 - 45 min stehend lagern
(„gerinnen lassen“)
10 min bei 2000 g zentrifugieren
Mit Antikoagulanz
(EDTA, Heparin, Citrat)
sofort
10 - 20 min bei 2000 g zentrifugieren
(EDTA, Heparin, Citrat)
sofort
10 - 20 min bei 2000 g zentrifugieren
Gelblicher Überstand:
Serum
Serum
Gelblicher Überstand:
Plasma
Plasma
Wann muss mann eine Blutprobe zentrifugieren?
Eine Trennung der zellulären Bestandteile vom Plasma (bzw. Serum) durch Zentrifugation sollte immer dann erfolgen, wenn ein Austausch zwischen beiden Kompartimenten unterbunden werden soll.
Dies spielt z. B. eine Rolle bei Parametern, deren intrazelluläre Konzentration im Erythrozyten deutlich höher ist, als die Konzentration im Serum. Durch Diffusion und Zellzerfall während des Transports in das Labor kann die Konzentration des Analyten im Serum zunehmen. Bei der Messung einer solchen Probe werden dann im Labor falsch hohe Werte ermittelt. Das betrifft insbesondere die Parameter Kalium (!), LDH, GOT, Eisen und CK.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass aus aktivierten Leukozyten oder Thrombozyten Substanzen ausgeschüttet werden, die Enzyme im Serum oder Plasma aktivieren und dadurch den Abbau eines Analyten beschleunigen. Aus diesem Grunde ist es z. B. für die Bestimmung von Einzelfaktoren der Gerinnung immer erforderlich, thrombozytenfreies Plasma zu gewinnen.
Wozu verwendet man EDTA, Citrat und Heparin
EDTA, Citrat und Heparin sind Antikoagulanzien, die der Blutprobe zugesetzt werden, um die Gerinnung zu blockieren. EDTA und Citrat binden die Calcium-Ionen im Blut und verhindern dadurch die Aktivierung der Calcium-abhängigen Faktoren der Gerinnungskaskade.
Heparin hemmt als Kofaktor von Antithrombin III die Gerinnung über einen alternativen Mechanismus, ohne das Calcium zu entfernen.
Wann muss eine Blutprobe antikoaguliert werden
Bei der Gerinnselbildung werden nicht nur Gerinnungsfaktoren verbraucht, sondern auch zelluläre Elemente in den Fibrinpfropf eingeschlossen. Deshalb ist eine Messung zellulärer Bestandteile in einer geronnenen Blutprobe nicht mehr möglich.
Eine Antikoagulation der Blutprobe muss also bei allen Parametern erfolgen, die im Zusammenhang mit Zahl und Eigenschaften von Erythrozyten, Leukozyten oder Thrombozyten stehen.
Natürlich können auch Gerinnungsuntersuchungen nur aus einer antikoagulierten Probe durchgeführt werden. Ferner ist eine Antikoagulation mit EDTA für die Bestimmung einiger besonders empfindlicher Hormonparameter notwendig, um den Abbau durch Calcium-abhängige Proteasen zu verhindern.
!!! ACHTUNG !!!
Unter keinen Umständen dürfen Röhrchen umgefüllt oder ineinander geschüttet werden!
Durch Verschleppungen und Kontamination von Zusätzen können sonst lebensbedrohliche Messfehler entstehen!
Durch Verschleppungen und Kontamination von Zusätzen können sonst lebensbedrohliche Messfehler entstehen!







































