Blut als Probenmaterial

Blut als Probenmaterial
Blut als Probenmaterial
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Vollblut, Serum oder Plasma …
… EDTA, Citrat oder Heparin?
Bei der Fülle der Laborparameter ist die Information im Leistungsverzeichnis über das abzunehmende Material manchmal verwirrend und die Entscheidung im Einzelfall schwierig. Auch die Auskünfte des Labors sind nicht immer gleich nachvollziehbar und erscheinen manchmal auf den ersten Blick unlogisch.
Bei einem Parameter heißt es: „Wir benötigen unbedingt EDTA-Blut“ bei einem anderen: „Das ist völlig egal“. Warum benötigt das Labor für die Faktor V-Bestimmung einmal Citratplasma und beim nächsten Mal wieder EDTA-Blut? Was mache ich bei einer schwierigen Blutentnahme, wenn nur wenig Material gewonnen werden kann?
Der folgende kleine Leitfaden soll Ihnen helfen, selbständig die richtige Entscheidung zu treffen.
Was unterscheidet Vollblut von Serum oder Plasma
Blut („Vollblut“) besteht aus zellulären Bestandteilen (rote und weiße Blutkörperchen und Thrombozyten), die in einer eiweißreichen Flüssigkeit, dem Plasma, schwimmen.
Die Blutentnahme stellt eine Verletzung dar, deshalb wird noch während der Entnahmeprozedur die Gerinnung aktiviert. Innerhalb der nächsten 20-45 min kann man dann die Bildung eines Gerinnsels beobachten. Während dieses Vorgangs wird Plasma in Serum umgewandelt, d. h. das im Plasma enthaltene Fibrinogen fällt als unlösliches Fibringerinnsel aus; zudem werden alle anderen Gerinnungsfaktoren verbraucht.
Gewinnung von Vollblut, Serum und Plasma
Venöse Blutentnahme
 
Ohne Antikoagulanz

20 - 45 min stehend lagern
(„gerinnen lassen“)

10 min bei 2000 g zentrifugieren
Mit Antikoagulanz
(EDTA, Heparin, Citrat)

sofort
10 - 20 min bei 2000 g zentrifugieren
Gelblicher Überstand:
Serum
Gelblicher Überstand:
Plasma
Wann muss mann eine Blutprobe zentrifugieren?
Eine Trennung der zellulären Bestandteile vom Plasma (bzw. Serum) durch Zentrifugation sollte immer dann erfolgen, wenn ein Austausch zwischen beiden Kompartimenten unterbunden werden soll.
Dies spielt z. B. eine Rolle bei Parametern, deren intrazelluläre Konzentration im Erythrozyten deutlich höher ist, als die Konzentration im Serum. Durch Diffusion und Zellzerfall während des Transports in das Labor kann die Konzentration des Analyten im Serum zunehmen. Bei der Messung einer solchen Probe werden dann im Labor falsch hohe Werte ermittelt. Das betrifft insbesondere die Parameter Kalium (!), LDH, GOT, Eisen und CK.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass aus aktivierten Leukozyten oder Thrombozyten Substanzen ausgeschüttet werden, die Enzyme im Serum oder Plasma aktivieren und dadurch den Abbau eines Analyten beschleunigen. Aus diesem Grunde ist es z. B. für die Bestimmung von Einzelfaktoren der Gerinnung immer erforderlich, thrombozytenfreies Plasma zu gewinnen.
Blutprobe ohne Antikoagulanz, Serum nicht von zellulären Bestandteilen separiert
 
Unter Vollblut verstehen wir eine Blutprobe ohne Antikoagulanz, bei der das Serum nicht von den zellulären Bestandteilen separiert wurde. Obwohl Vollblut prinzipiell für die Messung vieler Parameter geeignet ist, sind einige Einschränkungen zu beachten. Durch die beim Versand unvermeidbare Hämolyse bzw. den weiterlaufenden Zellstoffwechsel können Parameter zu hoch bzw. zu niedrig bestimmt werden. Auf keinen Fall sollte Vollblut deshalb für die Bestimmung von Kalium und Glucose eingesetzt werden. Eine Reihe von Parametern (z. B. CK, ASAT, LDH, Eisen) werden während des Transportes aus den Erythrozyten freigesetzt und sollten deshalb ebenfalls nach Möglichkeit nicht aus Vollblutproben bestimmt werden.
1. Blutkulturen
2. Nativblut ohne Zusätze
3. Citratblut
4. Heparinblut
5. EDTA-Blut
6. Glykolysehemmer (z. B. Fluorid)
 
Wozu verwendet man EDTA, Citrat und Heparin
EDTA, Citrat und Heparin sind Antikoagulanzien, die der Blutprobe zugesetzt werden, um die Gerinnung zu blockieren. EDTA und Citrat binden die Calcium-Ionen im Blut und verhindern dadurch die Aktivierung der Calcium-abhängigen Faktoren der Gerinnungskaskade.
Heparin hemmt als Kofaktor von Antithrombin III die Gerinnung über einen alternativen Mechanismus, ohne das Calcium zu entfernen.
Blutprobe ohne Antikoagulanz, Serum nicht von zellulären Bestandteilen separiert
 
Unter Vollblut verstehen wir eine Blutprobe ohne Antikoagulanz, bei der das Serum nicht von den zellulären Bestandteilen separiert wurde. Obwohl Vollblut prinzipiell für die Messung vieler Parameter geeignet ist, sind einige Einschränkungen zu beachten. Durch die beim Versand unvermeidbare Hämolyse bzw. den weiterlaufenden Zellstoffwechsel können Parameter zu hoch bzw. zu niedrig bestimmt werden. Auf keinen Fall sollte Vollblut deshalb für die Bestimmung von Kalium und Glucose eingesetzt werden. Eine Reihe von Parametern (z. B. CK, ASAT, LDH, Eisen) werden während des Transportes aus den Erythrozyten freigesetzt und sollten deshalb ebenfalls nach Möglichkeit nicht aus Vollblutproben bestimmt werden.
1. Blutkulturen
2. Nativblut ohne Zusätze
3. Citratblut
4. Heparinblut
5. EDTA-Blut
6. Glykolysehemmer (z. B. Fluorid)
 
Wann muss eine Blutprobe antikoaguliert werden
Bei der Gerinnselbildung werden nicht nur Gerinnungsfaktoren verbraucht, sondern auch zelluläre Elemente in den Fibrinpfropf eingeschlossen. Deshalb ist eine Messung zellulärer Bestandteile in einer geronnenen Blutprobe nicht mehr möglich.
Eine Antikoagulation der Blutprobe muss also bei allen Parametern erfolgen, die im Zusammenhang mit Zahl und Eigenschaften von Erythrozyten, Leukozyten oder Thrombozyten stehen.
Natürlich können auch Gerinnungsuntersuchungen nur aus einer antikoagulierten Probe durchgeführt werden. Ferner ist eine Antikoagulation mit EDTA für die Bestimmung einiger besonders empfindlicher Hormonparameter notwendig, um den Abbau durch Calcium-abhängige Proteasen zu verhindern.
 
!!! ACHTUNG !!!
Unter keinen Umständen dürfen Röhrchen umgefüllt oder ineinander geschüttet werden!
Durch Verschleppungen und Kontamination von Zusätzen können sonst lebensbedrohliche Messfehler entstehen!
 
Vollblut und Serum
Vollblut
Vollblut ohne Antikoagulanz eignet sich für die Messung von Arzneimittelspiegeln und für serologische Untersuchungen (Bestimmung von Antikörpern).
Auf keinen Fall sollte Vollblut für die Bestimmung von Kalium und Glucose eingesetzt werden. Durch die beim Versand unvermeidbare Hämolyse bzw. den weiterlaufenden Zellstoffwechsel werden diese Parameter zu hoch bzw. zu niedrig bestimmt. Nach Möglichkeit sollte Vollblut auch nicht für die Bestimmung von CK, GOT, LDH oder Eisen verwendet werden, die während des Transportes aus den Erythrozyten freigesetzt werden können.
Serum, Vollblut zentrifugiert
Serum ist das am häufigsten verwendete Probenmaterial in der Klinischen Chemie. Es wird z. B. benötigt bei Bestimmungen von Antikörpern, Enzymen, Elektrolyten, Metaboliten, Proteinen und Hormonen.
Bei Blutentnahme mindestens das Doppelte der erforderlichen Serummenge entnehmen und stehend lagern. Frühestens 20, spätestens 60 min nach Probennahme 10 min zentrifugieren (2000g). Bei Verwendung von Serumröhrchen mit Trenngel (Vacuetten® oder Monovetten®) kann das Serum über dem abgetrennten Blutkuchen stehen bleiben, das Zentrifugieren ist aber in jedem Fall notwendig.
Bei Verwendung von Abnahmeröhrchen ohne Trenngel muss der gelbliche Überstand in ein Versandgefäß (leeres Plastikröhrchen) dekantiert werden.
Nach der Zentrifugation dürfen keine Erythrozyten oberhalb des Trenngels verbleiben. Es sollten nur freischwingende Zentrifugen benutzt werden, da sonst die Serumtrennung unvollständig bleibt.
 
EDTA-Blut und EDTA-Plasma
EDTA-Blut
EDTA-Blut wird eingesetzt für die Untersuchung zellulärer und intrazellulärer Bestandteile des Blutes, z. B. für Blutbilder und Blutgruppenbestimmungen, für die Hämoglobin-Elektrophorese und die Bestimmung des HbA1c. Weiterhin ist EDTA-Blut das Material der Wahl für genetische UntersuchungenUnter­suchungen (außer Chromosomen-Analysen!), und für PCR-Untersuchungen hämatogen streuender Erreger (z. B. HIV, Hepatitis B und C).
Daneben können fast alle klinisch-chemischen und serologischen Untersuchungen in der Regel auch aus EDTA-Blut durchgeführt werden. Damit ist die Abnahme von EDTA-Blut ein Kompromiss, wenn bei geringer zu gewinnender Probenmenge (z. B. bei Kleinkindern) sowohl ein Blutbild als auch weitere Untersuchungen im Plasma notwendig sind.
EDTA-Blut eignet sich nicht für Gerinnungsuntersuchungen und die Bestimmung von Elektrolyten.
EDTA-Blut Kinderabnahmesystem
Bei Kindern können Sie spezielle Kinderröhrchen verwenden. Diese bieten den Vorteil, dass weniger Probenvolumen entnommen werden muss. Gleichzeitig sind diese Abnahmesysteme mit unseren Blutbild-Geräten kompatibel, sodass eine zügige und effiziente Abarbeitung im Labor stattfinden kann.
EDTA-Plasma
EDTA-Plasma wird aus EDTA-Blut gewonnen, indem man die Probe sofort nach Entnahme 10 min bei mindestens 2000g zentrifugiert und den Überstand in ein Plastikröhrchen überführt. EDTA-Plasma ist das empfohlene Material für die Bestimmung einiger Hormone und Substanzen, die einem besonders schnellen Abbau unterliegen (z. B. ACTH, Parathormon, Katecholamine und Katecholaminmetabolite). Der nach Entnahme des Plasmas verbleibende Blutkuchen wird im Labor nicht benötigt. Diesen können Sie in der Praxis verwerfen.
Gegebenenfalls ist zusätzlich das Einfrieren der Plasmaprobe zur Stabilisierung des Analyten notwendig.
Sollten Sie Untersuchungen im EDTA-Plasma (z. B. Parathormon) und eine Blutbild-Bestimmung wünschen, bitten wir um Abnahme eines gesonderten EDTA-Röhrchens ohne Entnahme des Plasmas.
Messung bei Pseudothrombozytopenie
Bei einigen Patienten können die Thrombozyten in Gegenwart von EDTA aggregieren. Eine korrekte Zählung der Thrombozyten ist in diesem Fall nicht möglich, die Thrombozytenzahl wird falsch niedrig bestimmt. Dieses Phänomen wird als Pseudothrombozytopenie bezeichnet.
ThromboExakt-Röhrchen stellen neben dem Citratblut eine Alternative für die Thrombozytenmessung dar, um verlässliche Werte zu generieren.
 
Röhrchen für die Blutsenkungsmessung
Citratblut 1+5
Für die Messung der Blutsenkung wird Citratblut in der Verdünnung 1+5 verwendet. Die spezielle Form der Abnahmeröhrchen (z. B. Sedivette® oder Vacuette®) erlauben, diese direkt in Ablesevorrichtungen einzuspannen, um die Werte anhand eines Messlineals ablesen zu können.
Um das Ablesen zu erleichtern soll der Patienten-Barcode am unteren Ende des Röhrchens aufgeklebt werden.
Tipp: Wir bieten als Alternative zur „klassischen Blutsenkung“ die Messung der Blutsenkung aus EDTA-Blut an.
!!! ACHTUNG !!!
Bei Citratblut-Proben ist die Präanalytik besonders wichtig. Bitte beachten Sie daher:
Citratblut-Röhrchen müssen komplett bis zur Markierung befüllt werden! Bei falsch befüllten Röhrchen (Unterfüllung oder Überfüllung) können KEINE validen Ergebnisse ermittelt werden, da das Mischungsverhältnis mit dem flüssigen Antikoagulanz nicht korrekt ist.
 
Röhrchen für Gerinnungsdiagnostik
Citratblut-Gewinnung
Für die Blutentnahme eignen sich am besten Vakuumsysteme (Monovetten®, Vacuetten®), bei denen ein korrektes Mischungsverhältnis vorgegeben ist (9 Teile Venenblut / 1 Teil Citrat; resultierende Citratkonzentration: 0,11 mmol/l). Nach der Abnahme kurz schwenken, um die Durchmischung zu gewährleisten.
Beachten Sie zudem die Haltbarkeit der Röhrchen. Gerade Unterdruck-Abnahmesysteme wie Vacuetten® verlieren nach Ablauf ihrer Haltbarkeit ihr Vakuum, weswegen diese Röhrchen nicht mehr passend befüllt werden können.
!!! ACHTUNG !!!
Bei Citratblut-Proben ist die Präanalytik besonders wichtig.
Bitte beachten Sie daher:
Citratblut-Röhrchen müssen komplett bis zur Markierung befüllt werden! Bei falsch befüllten Röhrchen (Unterfüllung oder Überfüllung) können KEINE validen Ergebnisse ermittelt werden, da das Mischungsverhältnis mit dem flüssigen Antikoagulanz nicht korrekt ist. Citratröhrchen für Gerinnungsuntersuchungen nie am Anfang abnehmen, da das erste Röhrchen mit Gewebeflüssigkeit (Gewebe-Thromboplastin) kontaminiert sein kann.
Citrat-Blut
Citrat-Blut wird für die Globaltests der Gerinnung (Quick bzw. INR, PTT und Thrombinzeit) benötigt. Diese Parameter sind im Citratblut bis zur Untersuchung im Labor stabil.
Citrat-Plasma
Citrat-Plasma ist das Material der Wahl für alle anderen Gerinnungsparameter (Einzelfaktoren, APC-Resistenz, Lupus-Antikoagulans).
Citratblut sofort 20 min bei mindestens 2000g zentrifugieren und den Überstand in ein neutrales Röhrchen (ohne Gel und Zusätze) überführen. Dabei sollte die Grenzschicht Zellen/Plasma nicht zerstört werden, um das Plasma Thrombozytenfrei zu gewinnen. Um eine Aktivierung bzw. einen Abbau der Gerinnungsfaktoren zu verhindern, muss das Plasma danach bei -20°C eingefroren und in diesem Zustand transportiert werden. Die Mitsendung des verbleibenden Blutkuchens ist nicht notwendig.
Tipp: Stellen Sie vorab das leere, bereits beschriftete (Name, Citratplasma) neutrale Röhrchen in den Gefrierschrank, um bei dem Überführen des Plasmas eine Faktor VII-Aktivierung zu verhindern, da Plastik eine schlechte Wärmeleitfähigkeit besitzt.
Hinweis:
Eine häufige Anforderung stellen Gerinnungsuntersuchungen im Zusammenhang mit einer Thromboseneigung dar. Ein wichtiger Parameter ist die APC-Resistenz. Die Messung der APC-Resistenz erfolgt funktionell in einem Gerinnungstest, für den gefrorenes Citratplasma benötigt wird.
Wird eine pathologische APC-Resistenz im Labor gefunden, so liegt dem meist eine Faktor V-Leiden-Mutation zugrunde. Die Bestimmung dieser Mutation ist kein Gerinnungstest, sondern eine genetische Untersuchung. Deshalb wird für diesen Test EDTA-Blut benötigt.
Analog gilt für Prothrombin: Für die Ermittlung des Thromboserisikos ist nicht die funktionelle Aktivität des Thrombins entscheidend, sondern die Prothrombin-Mutation, die im EDTA-Blut bestimmt wird.
BAPA-Röhrchen für die Thrombozytenfunktionstestung
Die Durchführung einer Thrombozytenfunktionstestung benötigt spezielle Absprachen mit unserem Labor sowie einer gesonderten Präanalytik:
  • Besprechen Sie die Anforderung vorab mit unserem Labor unter der Telefonnummer 0821 / 4201-900. Hier können Sie auch ein spezielles Abnahmeset für die Thrombozytenfunktion bestellen
  • Planen Sie Ihre Abnahmen nur Montag bis Donnerstag, idealerweise kurz bevor unser Laborfahrdienst Ihre Praxis anfährt um die Proben zu holen.
  • Die BAPA-Röhrchen müssen analog Citratblut komplett befüllt werden um eine aussagekräftige Analytik zu erreichen. Verwenden Sie zur Abnahme das beiliegende Abnahmeset, achten Sie auf eine kurze Stauung.
  • Nach der Abnahme mischen Sie die Röhrchen durch vorsichtiges Schwenken. BAPA-Röhrchen dürfen nicht zentrifugiert oder eingefroren werden!!!
  • Lagern Sie die entnommenen Proben bis zur Abholung durch den Fahrdienst bei Raumtemperatur
  • Kennzeichnen Sie die Anforderung auf dem Überweisungs­schein: „Thrombozytenaggregation“ oder „Thrombozyten­funk­tion“ und geben Sie (falls vorhanden) entsprechende Medikationen (z. B. Clopidogrel, ASS, Prasugrel) an. Sollten keine Medikamente eingenommen werden, können Sie dies ebenfalls vermerken.
  • Sollte keine Blutentnahme erfolgen (z. B. Patient nicht erschienen oder Blutentnahme nicht mehr notwendig), rufen Sie bitte unter der o. g. Telefonnummer an und geben uns für die weiteren Planungen Bescheid.
Heparinblut
Lithium-Heparin, Ammonium-Heparin und Natrium-Heparin
Der Zusatz von Heparin als schonendstes Antikoagulanz ist nur bei wenigen Parametern erforderlich, bei denen die Leukozyten des Patienten intakt und teilungsfähig bleiben müssen z. B. für den ELISPOT-TB oder für Chromosomenanalysen.
Heparinplasma spielt als Probenmaterial praktisch keine Rolle.
Fluoridblut
Natriumfluorid
Natriumfluorid blockiert den Zellstoffwechsel im Erythrozyten durch Hemmung der Glykolyse.
Fluoridblut wird eingesetzt für die Bestimmung von Homocystein, Lactat und Glucose.
Gestationsdiabetes Fluorid/Citrat
GlucoExakt-Röhrchen
Für eine genaue Messung des Blutzuckerspiegels sind Probenröhrchen notwendig, welche verhindern dass die Glukose sich während des Transportes in das Labor abbaut. GlucoExakt-Röhrchen stabilisieren den Glukosewert im Blut bis zu 96h.
Bei Gestationsdiabetes-Röhrchen ist die Präanalytik besonders wichtig. Bitte beachten Sie daher:
GlucoExakt-Röhrchen müssen komplett befüllt werden! Bei falsch befüllten Röhrchen (Unterfüllung oder Überfüllung) können KEINE validen Ergebnisse ermittelt werden, da das Mischungsverhältnis mit dem flüssigen Antikoagulanz nicht korrekt ist.
Beachten Sie zudem die korrekte Einsendung
  • 50 g Glucose-Suchtest: ein Röhrchen
  • oGTT Gestationsdiabetes 75 g: drei Röhrchen
 
Blutausstriche und Dicker Tropfen
Dicker Tropfen
Der „dicke Tropfen“ kommt ausschließlich für die Malariadiagnostik zum Einsatz.
Einen Tropfen Blut (etwa 20 µl) möglichst im Fieberanstieg abnehmen und mit Spatel, Deckglas oder Kanüle auf etwa Daumennagelgröße auf einem fettfreien Objektträger verteilen.
Bei korrekter Ausführung ist die Schrift einer untergelegten Zeitung gerade noch lesbar. Mindestens 30 min lufttrocknen lassen. Zusätzlich 2 dünne Blutausstriche mitschicken. Ein korrekt hergestellter „Dicker Tropfen“ sieht so aus:
Der „dicke Tropfen“ kann auch im Labor aus EDTA-Blut angefertigt werden. Die Qualität des „dicken Tropfens“ ist für die Diagnostik von großer Bedeutung. Schicken Sie daher immer zusätzlich noch ein EDTA-Blut ins Labor mit, um im Notfall weitere Ausstriche und/oder „Dicke Tropfen“ herstellen zu können.
Blutausstriche
Voraussetzung für die einwandfreie mikroskopische Beurteilung des Differentialblutbildes ist ein frischer Blutausstrich, der unmittelbar nach Blutentnahme angefertigt wird. Zum Ausstrich verwendet man entfettete Objektträger. Wird das Blut aus EDTA-Röhrchen entnommen, so ist die Blutprobe zuvor gut zu mischen.

Ein kleiner Tropfen Blut wird am rechten Ende des Objektträgers aufgebracht. Mit der rechten Hand führt man ein schräg gehaltenes Deckglas oder einen zweiten Objektträger von links an den Bluttropfen heran, bis sich das Blut an der rückseitigen Glaskante verteilt. Nun zieht man das Blut in entgegengesetzter Richtung von rechts nach links zügig und gleichmäßig über den ganzen Objektträger (nicht das Blut vor dem Deckglas herschieben!). Ein Winkel zwischen Objektträger und Deckglas von 30 bis 45 Grad liefert die besten Ergebnisse, je kleiner der Winkel, desto dünner wird der Ausstrich. Das Blut sollte bei Erreichen des Objektträgerrandes verbraucht sein, so dass etwa 3/4 des Objektträgers mit dem Blutfilm bedeckt sind.
Anschließend lässt man die Ausstriche 30 min an der Luft trocknen (erkennbar am Verschwinden des feuchten Glanzes) und schreibt mit Bleistift den Patientennamen und das Datum der Abnahme auf den Ausstrich bzw. in die geätzte Zone des Objektträgers. Alternativ können Sie einen Barcode in den Randbereich des Objektträgers kleben. Ein „idealer“ Blutausstrich sieht wie folgt aus:


Bitte verpacken Sie die Blutausstriche und „Dicke Tropfen“ mit einer stich- und schneidsicheren Schutzhülle, damit Ihr und unser Personal vor potentiellen Verletzungen geschützt ist
Häufige Fehlerquellen:
  • zu dicker Ausstrich (Bluttropfen zu groß)
  • ungleichmäßiges Ausstreichen (führt zu Stufenbildung)
  • zu langsames Ausstreichen (Erythrozyten klumpen zusammen)
Folgende Beispiele zeigen Ihnen Blutausstriche, welche in der Routine nicht auswertbar sind. Daher sollten solche Ausstriche in der Praxis verhindert werden.

Von links nach rechts:
  • Zu viel Blut verwendet (Ausstrich ist zu dick)
  • Zu wenig Blut verwendet
  • Bluttropfen „läuft“ über Objektträger
  • Leerer Objektträger ohne Blut wurde eingesandt
  • Blut wurde unter Deckglas oder zweitem Objektträger eingeschlossen
  • Barcode wurde über die Ausstrichfahne geklebt
Sollten Sie Fragen zur Ausstrichtechnik von Blutausstrichen oder „Dicken Tropfen“ haben, können Sie gerne im Labor nachfragen.
 
Die standardisierte Blutentnahme
Vorbereitung
  • Geplante Blutentnahmen sollten zur Verlaufsbeurteilung und zur Vermeidung von Tagesschwankungen immer zur gleichen Tageszeit erfolgen, im Idealfall zwischen 7:00 und 9:00 Uhr morgens. In Abhängigkeit vom Parameter (Tagesrhythmik!) können auch andere Zeitpunkte sinnvoll sein.
  • In der Regel nüchtern; die letzte Nahrungsaufnahme sollte 12 h zurückliegen. Keine Alkoholexzesse und keine erschöpfenden körperlichen Aktivitäten in den vergangenen 3-4 Tagen.
  • Der Patient sollte liegen und diese Position 15 min lang beibehalten. Die bevorzugte Entnahmestelle ist eine gut sichtbare periphere Oberflächenvene der Ellenbeuge.
  • Besteht der Verdacht, dass ein Medikament die Analyse beeinflusst, sollte geprüft werden, ob das Medikament abgesetzt werden kann.
!!! SICHERHEITSHINWEIS !!!
Die Person, die die Blutabnahme durchführt, muss stets Handschuhe tragen. Lt. TRBA sollten Sie sich mit speziellen Abnahmesystemen vor Nadelstichverletzungen schützen.
Es ist dringend anzuraten, Sicherheitskanülen zu verwenden.
Das bei der Probennahme verwendete Material muss nach der Verwendung fachgerecht entsorgt werden.

Durchführung der venösen Blutentnahme
  • Sicherstellen, dass alle Materialien zur Blutabnahme bereit liegen und vollständig sind (Röhrchen, Halter, Kanüle, Tupfer, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Pflaster, Staubinde).
  • Geeignete Vene suchen und ca. 10 cm (handbreit) oberhalb der Ellenbeuge stauen. Öffnen und Schließen der Faust vermeiden!
  • Entstauen, desinfizieren (70% Isopropanol, 70-80% Ethanol).
  • Stauen (30-50 mmHg, der Puls muss noch fühlbar sein), ca. 30 sec.
  • Mit dem Daumen der freien Hand durch Zug die Haut der Punktionsstelle spannen und die Vene fixieren.
  • Mit 1er oder 2er Kanüle in Richtung Vene stechen, Winkel von ca. 30° einhalten, Kanülenspitze unten.
  • Patient kurz vor dem Einstich auf Vorgang aufmerksam machen.
  • Nicht tiefer einstechen als der Venendurchmesser.
  • Mit Kolben nur soviel Unterdruck erzeugen, dass das Blut frei läuft (Kanüle drehen bei Stopp des Blutflusses).
  • Entstauen, sobald das Blut fließt.
  • Nach Entfernen der Kanüle den Blutfluss sofort stoppen durch Druck mit Tupfer auf Punktionsstelle (2 – 4 min), Arm nach oben halten, nicht beugen (Wundschluss wird gestört).
    Kanüle in Sicherheitsbehälter entsorgen.
  • Röhrchen mit Antikoagulantien müssen sofort mehrmals invertiert werden (nicht schütteln).
Blutentnahme an Verweilkanülen und Kathetern
Blutentnahmen sollten nur in Ausnahmefällen direkt aus Verweilkanülen oder Dauerkathetern erfolgen, da eine Verdünnung der Blutprobe durch die Infusionsflüssigkeit sowie eine Kontamination mit Gerinnungshemmern eintreten kann. Zusätzlich können in der Infusion enthaltene Substanzen das Messergebnis verfälschen. Sollte eine solche Blutentnahme dennoch notwendig sein (z. B. bei Kindern, Patienten mit schlechten Venenverhältnissen), Infusion abklemmen, Kanüle mit isotonischer Kochsalzlösung spülen und die ersten 5 ml Blut (Totvolumen) verwerfen.
Entnahmereihenfolge bei der Abnahme mehrerer Röhrchen
Werden mehrere Röhrchen entnommen, sollte folgende Reihenfolge bei der Blutabnahme eingehalten werden:
  1. Blutkulturen
  2. Nativblut ohne Zusätze
  3. Citratblut
  4. Heparinblut
  5. EDTA-Blut
  6. Glykolysehemmer (z. B. Fluorid)
!!! HINWEIS !!!
Citratröhrchen für Gerinnungsuntersuchungen nie am Anfang abnehmen, da das erste Röhrchen mit Gewebeflüssigkeit (Gewebe-Thromboplastin) kontaminiert sein kann. Röhrchen mit Additiven kommen immer nach dem Nativröhrchen, um Kontaminationen zu vermeiden. Aus diesem Grund muss vor jeder Citratblutentnahme (z. B. Quick-Kontrolle bei Cumarin-Therapie) vorab ein Vollblut/Serum-Röhrchen entnommen werden. Dieses Röhrchen – sollte es nicht anderweitig benötigt werden – muss nicht komplett befüllt werden.
Zentrifugation von Blutproben
Als Empfehlung für die Zentrifugation von Blutproben ist in den meisten Fällen ein Wert von 2000g vorgegeben. „g“ steht in diesem Zusammenhang für die Erdbeschleunigung und „2000g“ entsprechen einer relativen Zentrifugal-Beschleunigung (RZB) vom 2000fachen der Erdanziehungskraft. Auf diese RZB muss die Zentrifuge in der Praxis eingestellt werden, um eine ausreichende Trennung von Zellen und Plasma (bzw. Serum) zu erzielen. Zentrifugiert man zu langsam, werden nicht alle Zellen aus dem Plasma entfernt, zentrifugiert man zu schnell, kann durch Zellzerstörung eine verstärkte Hämolyse eintreten.
Für Sie stellt sich nun die Frage, mit welcher Drehzahl muss die Zentrifuge in der Praxis laufen, damit die 2000g RZB erreicht werden.
Für die Einstellung der korrekten Drehzahlen an der Zentrifuge haben Sie drei Möglichkeiten:
I. Schlagen Sie in der Betriebsanleitung Ihrer Zentrifuge nach und richten sie sich nach den dort gemachten Angaben
II. Sie berechnen die Drehzahl nach folgender Formel:
  • RZB = relative Zentrifugalbeschleunigung
  • rpm = Drehzahl pro Minute (engl. revolutions per minute), U/min
  • r = Zentrifugenradius in mm
Der Radius r findet sich in der Betriebsanleitung oder er wird mittels Lineal direkt an der Zentrifuge ausgemessen
III. Sie nutzen das folgende Normogramm für die Ableitung der RZB:
Hierbei wird der Radius r [mm] (Pkt. A) auf der „Radius“-Skala (links) und die RZB in g auf der mittleren Skala (Pkt. B) eingetragen. Beide Punkte werden miteinander verbunden und die Linie verlängert bis sie die rechte Drehzahl-Skala schneidet. Der Schnittpunkt (Pkt. C) auf der rechten Skala ist die gesuchte Drehzahl (U/min), die an der Zentrifuge eingestellt werden muss.
Einfrieren von Proben
Um die Stabilität von bestimmten empfindlichen Analyten zu gewährleisten, ist es manchmal notwendig, Serum- oder Plasma¬proben einzufrieren und in diesem Zustand an das Labor zu versenden.
!!! HINWEIS !!!
Niemals Blut einfrieren oder im gefrorenen Behälter versenden! Immer zuerst zentrifugieren, dann abpipettiertes Serum oder Plasma einfrieren, falls nicht ausdrücklich anderes im Leistungsverzeichnis verlangt wird.
  • Abgetrenntes Serum oder Plasma (bitte beschriften) für 12-24 h in ein normales 3-Sterne Gefrierfach (-20°C) eines haushaltsüblichen Kühlschranks legen.
  • Versandbehälter ohne Styroporhülle ebenfalls für mindestens 12-24 h liegend einfrieren (durch Schütteln prüfen, ob die gesamte Kühlflüssigkeit gefroren ist).
  • Serum- oder Plasmaprobe noch nicht in den Versandbehälter einbringen.
  • Kurz vor der Abholung getrennt eingefrorenes Untersuchungsmaterial in den vorbereiteten Versandbehälter stecken.
  • Anschließend Versandbehälter in die Styroporhülle verpacken und dem Fahrdienst mitgegeben. Der zugehörige Auftragsschein muss mit dem Kühlbehälter zusammen in einer Versandtüte eingeschickt werden, um Trennung von Material und Auftragsschein zu vermeiden.
Hinweis
Ein Kältebehälter kann für den Versand von zwei verschiedenen Patientenseren benützt werden. Um Verwechslungen vorzubeugen muss eine eindeutige Identifizierung sichergestellt werden.
Bitte kennzeichnen Sie zudem, um welche Materialart sich es bei der Probe handelt (z. B. EDTA-Plasma, Citrat-Plasma, Serum, …), um analytische Verwechslungen auszuschließen
Emfehlung:
Es sollte stets ein Versandbehälter für den Kälteversand im Tiefkühlfach bereit liegen.
Wann muss mann eine Blutprobe zentrifugieren?
Eine Trennung der zellulären Bestandteile vom Plasma (bzw. Serum) durch Zentrifugation sollte immer dann erfolgen, wenn ein Austausch zwischen beiden Kompartimenten unterbunden werden soll.
Dies spielt z. B. eine Rolle bei Parametern, deren intrazelluläre Konzentration im Erythrozyten deutlich höher ist, als die Konzentration im Serum. Durch Diffusion und Zellzerfall während des Transports in das Labor kann die Konzentration des Analyten im Serum zunehmen. Bei der Messung einer solchen Probe werden dann im Labor falsch hohe Werte ermittelt. Das betrifft insbesondere die Parameter Kalium (!), LDH, GOT, Eisen und CK.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass aus aktivierten Leukozyten oder Thrombozyten Substanzen ausgeschüttet werden, die Enzyme im Serum oder Plasma aktivieren und dadurch den Abbau eines Analyten beschleunigen. Aus diesem Grunde ist es z. B. für die Bestimmung von Einzelfaktoren der Gerinnung immer erforderlich, thrombozytenfreies Plasma zu gewinnen.
Was unterscheidet Vollblut von Serum oder Plasma
Blut („Vollblut“) besteht aus zellulären Bestandteilen (rote und weiße Blutkörperchen und Thrombozyten), die in einer eiweißreichen Flüssigkeit, dem Plasma, schwimmen.
Die Blutentnahme stellt eine Verletzung dar, deshalb wird noch während der Entnahmeprozedur die Gerinnung aktiviert. Innerhalb der nächsten 20-45 min kann man dann die Bildung eines Gerinnsels beobachten. Während dieses Vorgangs wird Plasma in Serum umgewandelt, d. h. das im Plasma enthaltene Fibrinogen fällt als unlösliches Fibringerinnsel aus; zudem werden alle anderen Gerinnungsfaktoren verbraucht.